Ferien als Spiegel: Was Nervensystem Regulation wirklich bedeutet

Letzte Woche war ich in Lissabon. Eine Woche Städtetripp, Sonne, fremde Gassen, Pastéis de Nata und das Rauschen des Atlantiks irgendwo in der Ferne. Und es war gut. Wirklich gut. Ich reise seit ein paar Jahren sehr gerne und lasse mich gerne auf neue Abenteuer ein. Aber das war nicht immer so. Und diese Reise hat mir nochmals vor Augen geführt, wieso es damals anders war.

Ich war früher kein Reisemensch

Wenn ich ehrlich bin, habe ich Ferien lange gemieden. Nicht laut, nicht bewusst, aber innerlich war da immer diese Anspannung, sobald eine Reise anstand. Alles war anders. Fremde Betten, unbekannte Strassen, kein gewohnter Ablauf. Und dieses Andere fühlte sich für mich nicht aufregend an. Es fühlte sich unsicher an. Manchmal sogar bedrohlich.

Kaum angekommen: Bauchschmerzen, Kopfschmerzen, Übelkeit, schlechte Laune. Ich war körperlich da, aber innerlich zählte ich die Tage bis zur Heimreise.

Ich konnte den Hype ums Reisen nicht verstehen. Andere schwärmten von neuen Orten, fremden Kulturen, dem Abenteuer des Unbekannten. Ich mochte es einfach nicht. Ich dachte, das sei eben so. Dass Reisen nichts für mich sei.

Heute weiss ich: Es war mein Nervensystem. Es war komplett überreizt, weil ihm Sicherheit gefehlt hat.

Der erste Tag in Lissabon

Wir starteten morgens um drei Uhr. Langer Flug, Uber-Fahrt, Einchecken ins Airbnb. Der Vermieter hatte viele Anweisungen und Fragen an uns, der Austausch zog sich. Und das alles auf nüchternem Magen, denn gegessen hatten wir seit Stunden nichts mehr.

Als wir endlich auf dem Weg zum Frühstück waren, konnte ich keinen klaren Gedanken mehr fassen. Und dann kam er, dieser Gedanke: Wieso wollte ich überhaupt in die Ferien?

Das machte mich stutzig. Und verwirrt. Denn so hatte ich mich lange nicht mehr gefühlt.

Die Erkenntnis, die alles verändert hat

Ich wollte nach Hause. So fühlte es sich an. Aber dahinter steckte eigentlich etwas ganz anderes.

Mein Nervensystem suchte nach Sicherheit. Und es fand sie nicht. Durch den ganzen Stress war ich komplett von mir abgetrennt.

Genau das ist Nervensystem Regulation: wissen, was in dir passiert, und wissen, was du dann brauchst.

Die Woche vor den Ferien war voll gewesen. Viel Arbeit, wenig Pausen, kaum Zeit zum Durchatmen. Und dann direkt hinein in eine Reise, die schon früh morgens mit Stress begann.

Und als ich wusste, was passierte, wusste ich auch ganz klar, was ich brauchte. Ruhe. Natur. Wind. Meer. Weniger Trubel, weniger Menschen, einfach etwas langsamer.

Nicht zurück nach Hause. Sondern bei mir einchecken. Zu mir zurückkommen, in meine innere Sicherheit, Ruhe gewinnen. Und das ist auch in einer Grossstadt möglich, wenn du weisst, wonach du suchst.

Warum ich Ferien früher so schwer ertragen habe

Wenn ich jetzt zurückschaue, verstehe ich es. Damals suchte ich Sicherheit im Aussen. In der vertrauten Umgebung, im gewohnten Ablauf, in dem, was ich kannte. Denn in mir fand ich sie nicht. Ich war nicht verbunden mit mir selbst.

Und genau deshalb war mein Nervensystem im Daueralarm. Ich hatte weder Zugang zu mir noch eine Ahnung davon, was das mit meinem Körper und meinem Nervensystem macht.

Mein Körper hat die ganze Zeit versucht, mit mir zu sprechen. Bauchschmerzen, Kopfschmerzen, Übelkeit, Überempfindlichkeit gegen Hitze und Kälte. Aber ich verstand seine Sprache nicht. Ich dachte, ich sei einfach so. Dass das eben zu mir gehöre.

Ferien ohne innere Sicherheit sind für das Nervensystem Stress. Punkt. Und wenn du dann noch schnell überreizt bist, wird jede neue Umgebung zur Belastung, bevor sie zur Freude werden kann.

Was sich verändert hat

Durch meine innere Arbeit habe ich gelernt, Sicherheit in mir zu finden. Das ist für mich die Basis jeder Nervensystem Regulation. Ich brauche keine vertraute Umgebung mehr, um mich sicher zu fühlen. Das allein hat schon so viel verändert.

Und ich habe noch etwas über mich gelernt. Ich bin ein Mensch, der etwas reizempfindlicher ist als andere. Lange dachte ich, das sei ein Makel. Heute ist es eine meiner grössten Stärken, denn es ist genau das, was mir in meinem Beruf als Beraterin hilft. Ich habe gelernt, diesen Teil von mir anzunehmen und mit ihm zu arbeiten. Das ist für mich echte Selbstführung.

Und so war ich letzte Woche eine ganze Woche durch Lissabon gelaufen, habe fremde Gassen entdeckt, Sonne getankt, neue Menschen getroffen und ich habe mich gefreut, dort zu sein! Mir ging es körperlich gut und ich war ganz bei mir. Ich bin mit echten und tollen Erinnerungen zurückgekommen, mit dem Gefühl: Ich war wirklich da. Das Einzige, was ich merkte: Ich war etwas müder als sonst. Doch wer ist das nicht nach einer Woche Grossstadt und täglichen 16’000 Schritten. 😉

Was das für dich bedeuten könnte

Vielleicht kennst du das. Dieses Gefühl, dass neue Umgebungen dich eher stressen als begeistern. Dass du in fremden Situationen schnell an deine Grenzen kommst. Dass du dich fragst, wieso andere so leicht loslassen können und du nicht.

Das ist kein Zeichen dafür, dass du falsch bist. Es könnte ein Zeichen sein, dass dein Nervensystem noch keinen sicheren Boden in dir gefunden hat. Und dass du vielleicht, wie ich damals, Sicherheit im Aussen suchst, weil du sie in dir noch nicht kennst.

Das ist etwas, das sich verändern lässt. Wenn du neugierig bist, wie das bei dir aussehen könnte, dann melde dich. Im ersten Gespräch schauen wir gemeinsam hin.

 

 

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